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Biffy Clyro

Biffy Clyro

Titel: Only Revolutions

Release Date: 06. November 2009

write Review

Im Gleichschritt stampfende Füße sind das erste, was man auf Biffy Clyro´s neuem Album "Only Revolutions" zu hören bekommt. Es scheint nicht weit hergeholt, darin ein Zeichen für Entschlossenheit zu sehen. Die Schotten wollen es wissen. Mit ihrem fünften Studioalbum im Gepäck haben sie sich seit Wochen ein Mammutprogramm aufgeladen, das sie erst zu Weihnachten wieder zu Hause sein lässt. Sie strahlen volles Vertrauen in die Qualität ihres neuen Werkes aus und sie haben allen Grund dazu.

Nachdem die Schritte verhallt sind, donnern die ersten Takte von "The Captain" durch die Boxen. Was beim ersten Hören noch nach einem mit offensichtlichen Mitteln erzwungenem Mitsing-Hit klingen mag ("Somebody help me sing!"), entpuppt sich schon bald als Ohrwurm erster Güte. Die Bläser harmonieren hier ebenso gut mit den drei Schotten wie es im anschließenden "That Golden Rule" die Streicher tun. Trotz der Violinen kommt dieser Song so wohltuend ungeschliffen und rotzig daher, dass man sich fragt, ob er die Antwort auf die Stimmen ist, die Biffy seit dem Vorgängeralbum "Puzzle" im Pop verorten wollen. Das dazugehörige Video, in welchem der Schweiß des ungezügelten Rocks quasi zu riechen ist, spricht jedenfalls dafür. "Bubbles" besticht durch einen betörend schönen Refrain. Ein typisches Biffy Clyro Element lässt ihn viel komplexer werden, als er zu Beginn erscheint: Genau wie in "That Golden Rule" gibt es einen zweiten instrumentalen Teil, der dem Song noch eine feine progressive Würze verleiht.

Das zentrale Thema des Albums greift "God & Satan" auf. Unterschiedliche Sichtweisen auf ein und dieselben Dinge sind es, die Sänger Simon Neil besonders faszinieren. Der Blick wird also flexibel, was sich auch in der Musik ausdrückt. Fast jeder Song zeigt sich von mindestens zwei Seiten und die haben jeweils ihre Reize. Innerhalb eines Stückes erscheinen Strophen und Refrains fast als Antagonismen und sind doch auf so stimmige Weise miteinander in Beziehung ("Cloud Of Stink"). Ein 80er Jahre Elektro-Intro bekommt "Born On A Horse" verpasst, wodurch es unweigerlich an "Glitter And Trauma" vom hervorragenden Vorvorgänger "Infinity Land" erinnert.

Ein ganz großer Wurf ist Simon Neil und den Johnston-Brüdern mit "Mountains" gelungen. Selten hat ein Song kurz nach dem Erscheinen als Single, eine für jeweilige Bandverhältnisse so zentrale Bedeutung erhalten. Hier haben die Schotten mit dem Gespür für die besonderen Melodien ihren Fans und denen, die es noch werden, ohne dass sie es jetzt schon wüssten, ein ganz besonderes Juwel ins Ohr verpflanzt. "Many Of Horror" übernimmt den Part der melancholischen Ballade, während "Booooom, Blast & Ruin" als eingängige Temponummer ein weiteres Beispiel dafür ist, warum Biffy Clyro manchmal mit den Foo Fighters verglichen werden. Die aufwändige Orchestrierung, von der alle Songs profitieren, wirkt nie überladen, wofür das sentimentale "Know Your Quarry" ein schönes Beispiel ist. Hier übernehmen die Violinen die Rolle der zarten Untermalung.

Den Abschluss darf das treibende "Whorses" übernehmen. Ben Johnstons Spiel mit den Drumsticks klingt diesmal wie eine Herde galoppierender Pferde und man ist fast schon verleitet den Bezug zu den Schritten am Beginn des Albums herzustellen: Entschlossen. So klingt das von Garth Richardson hervorragend produzierte "Only Revolutions". Ich bin sicher, dass auch auf den anstehenden Konzerten in Deutschland, ob als Support von Muse oder als Hauptact viel von der kreativen Kraft des Trios zu spüren sein wird. Wir können zumindest gespannt sein, wie das neue überzeugende Songmaterial ohne die Unterstützung der Bläser und Streicher klingen wird. Angesichts der Qualitäten dieser Band sind wir da jedoch ganz zuversichtlich.

Biffy Clyro

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